Zerolab

Menü
Zurück

GermanZero: Anreize für Modernisierungen in Mietswohnungen richtig setzen

GermanZero GermanZero  •  2021-02-26  •    33 Kommentare

Antrags-Code: ID-2021-02-33

Anteilige Aufteilung der zusätzlichen Kosten aufgrund der CO2-Bepreisung in vermieteten Wohnungen
Bitte beachten: Dieser Vorschlag ist nun als Maßnahme, hier zu finden. Die vielen Kommentare unserer User*innen haben wir bereits eingearbeitet.

Es besteht Einigkeit zwischen Expert*innen darüber, dass die Sanierungsrate gesteigert werden muss, um den Gebäudesektor klimaneutral zu machen. Ein Grund für die derzeitige niedrige Sanierungsrate liegt im sogenannten Mieter-Vermieter-Dilemma: Steigende Energiekosten treffen die Mieter*innen, die jedoch keinen Einfluss auf die Vornahme von Sanierungen haben.

Ein steigender CO2-Preis führt für Mieter*innen zu steigenden Heizkosten. Eine faire Aufteilung der zusätzlichen Kosten würde für Vermieter*innen einen Anreiz zur energetisch effizienten Sanierung schaffen, während Mieter*innen weiter einen Anreiz zum Energiesparen hätten.

Die Maßnahme Für das 1,5-Grad-Gesetzespaket prüft GermanZero folgende gesetzliche Regelung: Um Anreize zum energetischen Sanieren richtig zu setzen, könnten die zusätzlichen Kosten aufgrund des steigenden CO2-Preises zwischen Mieter*innen und Vermieter*innen anteilig aufgeteilt werden.

Dabei richtet sich die Verteilung nach der Energieeffizienzklasse des Gebäudes, z. B. übernimmt die Mieterin bei den Effizienzklassen A+, A und B die Mehrkosten zu 100 %, bei den Effizienzklassen C und D zu 70 %, bei den Effizienzklassen E und F zu 40 % und bei den Effizienzklassen G und H zu 0 %.

Ist dieser Vorschlag fair und hat er eine ausreichende Anreizwirkung für Modernisierungen? Diskutiere unten in den Kommentaren!

Über "Themen ansehen und bearbeiten" kannst du weitere Fragen zur Anreizwirkung, zu Regulierungsmöglichkeiten und zur sozialen Ausgewogenheit diskutieren.

 


Sie müssen sich anmelden oder registrieren, um einen Kommentar zu hinterlassen.
  • Norbert

    Die planungsrechtlichen Einschränkungen oder Kostentreiber sind auch anzusprechen, da sie die Apekte des Energieausweises aus Sicht des Eigentümers dominieren:
    Wenn wir die Klimaneutralität ernsthaft im Bestand erreichen wollen, müssen bisherige Tabus und Lehrmeinungen zur Diskussion gestellt und Güterabwägungen neu getroffen werden. Dort liegen die Quick-wins.
    a) Denkmalschutz: Warum darf in der Nachbarschaft von Denkmalschutzobjekten nicht solar optimiert gebaut werden?
    b) Denkmäler: Wie viel Denkmalschutz gerade in Gründerzeitmehrfamilienhäusern können wir uns noch leisten, zu Lasten des (Wohn)Klimas?
    c) Stadtplanung: Warum darf ein Baukunstbeirat oder ein Bebauungsplan weiterhin Klimaschutzanforderungen ignorieren?
    d) Bauträger(un)wesen: Privatinteresse und Gemeinwohl sollten neu verhandelt werden und die Kommunalpolitik durch übergeordnete Vorgaben aus ihren Interessenkonflikten mit lokalen Bauträgern "erlöst" werden
    e) Stellplatzverordnung: Wer heute noch Tiefgaragen baut schafft Investitionsruinen. Steile These: Ein perfekte Fahrradinfrastuktur am Wohngebäude schafft mehr Klimaschutz als eine geringfügige Verbesserung der Heizlast (Isolierung, Kesselerneuerung), welche oft von suboptimalem Verhalten der Nutzen kompensiert wird.
    f) Wohnraum: Wohnraum ist ein knappes Gut. Die Verteilung allein dem Markt zu überlassen angesichts hoher Barrieren, überschüssigen Wohnraum lebensphasenbedingt wieder aufzugeben, sollte in Sanierungsfahrplänen berücksichtigt werden.

      • Frank_H

        Hallo Norbert,
        danke für die vielen (neuen!) Punkte. Aus meiner Sicht sind einzelne im Detail nicht ganz treffend:
        a+b) Denkmale mit weniger als 2-3% des Gebäudebestands sind nicht das größte Problem das wir haben - auch wenn da noch Luft nach oben ist. Wenn man selbst betroffen ist macht einem die "Verhinderungsphilosophie" allerdings zu schaffen. Das verstehe ich. Andererseits können Denkmäler in ihren Grundsätzen eben durch die Verhinderung von (Sanierungs)Aktivitäten am Denkmal vor Zerstörung bewahrt bleiben.
        e) Da liegst du aus meiner Sicht nicht ganz richtig mit der steilen These: wenn mein "schrottiger Altbau" mit Ölheizung durch die passenden Einzelmaßnahmen 40% CO2 spart kann dafür nach einigen Jahren bereits im Nachbarhaus eine Tiefgarage bauen :-).
        Am besten ist es natürlich auf die TG zu verzichten, energetisch sehr gut zu bauen oder zu sanieren UND die Fahrradinfrastruktur am Gebäude und auf den Straßen zu erstellen.

        Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
        Keine Antworten
  • Helmut

    Ich weiß, das ist schwer festzulegen, aber es hätte ein hohes Gerechtigkeitspotential, wenn:

    Ja wenn sich Mieter und Vermieter die Einsparungen durch eine energetische Sanierung einfach gerecht 50:50 teilen würden. Also sagen wir Heiz- und Warmwasserkosten im Jahr vor der Sanierung wären Summe X und im Jahr nach der Sanierung Summe Y. Dann erhöht sich die Miete im Jahr um (X - Y) / 2.

    Das hätte zur Folge, dass der Mieter immer einen Vorteil aus der Gebäudesanierung ziehen würde und der Vermieter keine unsinnigen Sanierungen versuchen würde, weil ihm die nichts einbringen.

    Keine Antworten
  • Mafalda

    Ich kann mir noch nicht so recht vorstellen wie das gerecht ablaufen kann. In jedem Fall dürfen es nur Anreize und keine Zwänge sein, was die Mieter*innen anbelangt. Ich denke dabei an Familien und Ballungsräume, in denen die Mietpreise so unverschämt teuer sind, dass dort die wenigsten mal eben eine Sanierung mitfinanzieren können, viele kommen vermutlich gerade so über die Runden.
    Es muss ausgeschlossen werden, dass der/die Vermieter*in sich über die Mietenden die Sanierung finanzieren lässt und anschließend bspw. wegen Eigenbedarf kündigt. Außerdem würde ich persönlich, die bislang immer unsicher war, ob sie überhaupt länger als 1-2 Jahre in einer Wohnung/an einem Ort bleibt, keine hohen Sanierungskosten in Angriff nehmen, wenn ich am Ende gar nicht mehr davon profitiere.
    Was macht man dann mit Mehrfamilienhäusern, in denen manche Mieter*innen eine Sanierung tragen können, andere nicht. Hier müsste dann bezuschusst werden oder der/die Vermieter*in springt ein, denn man kann ein Gebäude ja nicht wohnungsweise sanieren.

    Keine Antworten
  • PhilippD

    Der Vorschlag ist grundsätzlich fair, belastet die Mieter aber im Sanierungsmoment unverhältnismäßig stark mit Kosten, insbesondere wenn auf einer der besten Effizienzklassen upgegradet werden soll. Außerdem sehe ich das Problem, dass die Sanierung als Argument für Mietpreiserhöhungen vorgeschoben wird und so den überhitzten Wohnungsmarkt weiter verschärft. Das überlässt auch umweltbewusste Menschen der Frage: ist mir mein Gewissen wert, dass ich dieses Jahr meine Ersparnisse (falls vorhanden) plündere? Kann ich mir eine Wohnung nach meinen energetischen Vorstellungen überhaupt leisten? Meist ist der Vermieter ja finanziell in der besseren Situation und kann sich Sanierungen eher leisten... Meine Idee wäre, finanzielle Anreize von staatlicher Seite zu schaffen (z.B. Förderung der Investition zu 50% durch den Staat + Zertifikat à la Grüner Punkt für Immobilien, mit dem der Vermieter dann werben kann) sowie von Mieterseite ein Recht auf angemessene energetische Sanierung ähnlich dem Kündigungsschutz zu schaffen. Vorstellbar wäre zum Beispiel, dass der Vermieter innerhalb einer Frist von 2 oder 3 Jahren verpflichtet ist, das Gebäude energetisch zu sanieren sobald ein Mieter dies fordert. Den Gedanken, das ganze zu großen Teilen auf die Mieter umzuwälzen halte ich für in der Praxis nicht tragbar

      • schachsommer12

        Der Vermieter kann natürlich verpflichtet werden, innerhalb einer Frist von 2 oder 3 Jahren das Gebäude energetisch zu sanieren. Aber: Welcher Mieter fordert freiwillig Modernisierungsmaßnahmen, d. h. wer vergleicht schon regelmäßig seinen Energieverbrauch? Meistens machen wir uns doch erst Gedanken über Veränderungen, wenn die Kosten zu hoch werden oder sind - nicht schon dann, wenn sie steigen (Stichwort: Investitionszeitpunkt). Der Vermieter bzw. Eigentümer dagegen hat ein Interesse daran, den Objektwert zu steigern oder wenigstens zu erhalten. Den Gedanken, das ganze zu großen Teilen auf die Mieter umzuwälzen, halte ich für in der Praxis unbedingt nötig - fraglich ist nur, über welchen Zeitraum. Der Vermieter kann eine Mieterhöhung für die jährliche Miete für durchgeführte Modernisierungsmaßnahmen nach § 559 (1) BGB um 8 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten vom Mieter verlangen. Warum gibt es keine Verpflichtung zur Bildung einer Instandhaltungsrücklage? Stattdessen kann der Vermieter die Zustimmung zu einer Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete nach § 558 (1) BGB verlangen, wenn die Miete in dem Zeitpunkt, zu dem die Erhöhung eintreten soll, seit 15 Monaten unverändert ist - egal, ob das objektiv gerechtfertigt ist oder nicht. Was hat eine ortsübliche Vergleichsmiete mit dem konkreten Objekt zu tun? Warum gehören die erforderlichen Gebäudeverwaltungskosten und Instandhaltungs- und Instandsetzungskosten nach § 1 (2) Nr. 1. und 2. BetrKV nicht zu den Betriebskosten? Letztendlich zahlt der oder zahlen die Mieter (Bewohner) diese Kosten in jedem Fall. Was der einzelne Vermieter bzw. Eigentümer braucht, ist ein besserer Schutz vor (vor allem vom Mieter mutwillig verursachten) Schäden und Mietausfällen. Warum bezieht sich die Staffel- oder Indexmiete nach §§ 557a und 557b BGB auf die gesamte (Kalt-)Miete, also alle Objektkosten statt nur den Überlassungszeitraum?

      • Helmut

        Ganz so ist es ja nicht. Heute hat der Vermieter ja generell die Möglichkeit, Sanierungen komplett (über die Zeit) auf die Miete umzulegen. Das vorgeschlagene Modell schränkt das ja eher ein.

        Es spricht auch überhaupt nichts dagegen, den Mieter finanziell an der energetischen Sanierung zu beteiligen. Der Mieter profitiert schließlich von den geringeren Heizkosten und nicht der Vermieter. Es muss nur so gestaltet werden, dass auch der Mieter nach der Sanierung in Summe besser dasteht als vorher. Also, dass er auch finanziell etwas von der Sanierung hat.

          • Avatar moderator
            Moderator*in #36  •  2021-03-09 19:11:14

            Hallo Helmut, Danke für Deinen Beitrag. Hast Du vielleicht schon Ideen, wie es gestaltet werden kann, dass auch der Mieter nach der Sanierung in Summe besser dasteht als vorher? Sollte es z.B. eine Art "Mietgarantie" geben, also einen garantierten Zeitraum, den der*die Mieter*in in der sanierten Wohnung bleiben darf, damit sich ein Investment auch für den*die Mieter*in lohnt? Oder sollte es für den*die Mieter*in möglich sein, die Investitionskosten an den*die nächste Mieter*in weiterzugeben? Danke für Deinen Input schon mal, liebe Grüße, Christina

              • schachsommer12

                Wie würde das aussehen, wenn es für den*die Mieter*in möglich sein sollte, die Investitionskosten an den*die nächste Mieter*in weiterzugeben? Die Investition tätigt ja nicht der Mieter, sondern der Eigentümer. Was nützt z. B. eine Art "Mietgarantie", also ein garantierter Zeitraum, den der*die Mieter*in in der sanierten Wohnung bleiben darf, wenn eine (ggf. Luxus-)Modernisierung oder Sanierung zu einer gleichbleibend höheren Einstufung bei der ortsüblichen Vergleichsmiete führt?

                Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
                Keine Antworten
              • Helmut

                Ich hatte weiter oben in den Kommentaren den Vorschlag gemacht, dass der Vermieter nach einer energetischen Sanierung, die Miete nur so weit erhöht, dass sich die Heizkosteneinsparung, die dem Mieter zugute kommt, halbiert. Mieter und Vermieter teilen sich also die Einsparung und beide profitieren. Der Mieter muss so nichts investieren und auch nichts an einen Nachmieter weiterreichen.

                  • schachsommer12

                    Das dürfte schwierig werden. Warum sollte sich der Vermieter an den umlagefähigen verbrauchsabhängigen z. B. Heizkosten beteiligen? Wartungs- und Instandhaltungskosten entstehen so oder so, mit und ohne Modernisierung. Der Mieter hat keinen Anreiz, bewusst auf seinen Energieverbrauch zu achten, wenn sich ein anderer an den Betriebskosten beteiligt (Stichwort: Klimaschutz) und genauso hat der Mieter keinen Anreiz, sich aktiv für eine Modernisierung oder Sanierung zu interessieren, wenn solche Maßnahmen einfach nur die Kaltmiete erhöhen (Stichwort: Kosteneffizienz). Der Mieter soll die Motivation des Vermieters zum Substanzerhalt nachvollziehen können (Stichwort: Empathie); das gilt selbstverständlich auch umgekehrt für den Vermieter, der die wirtschaftlichen, finanziellen, steuerlichen und sozialen oder persönlichen Verhältnisse des des Mieters nachvollziehen soll.

                      • Helmut

                        Da missverstehen Sie mich, der Vermieter beteiligt sich nicht an umlagefähigen verbrauchsabhängigen Heizkosten. Er erhöht die Miete um die halbe Einsparung der Heizkosten aus der Modernisierung. Ein fiktives Beispiel mit aus der Luft gegriffenen Zahlen:

                        Die Miete beträgt vor der Modernisierung 1000 Euro, die Heizkosten 300 Euro, also zusammen im Monat 1300 Euro.
                        Nach einer energetischen Modernisierung sinken die Heizkosten für den Mieter auf durchschnittlich 200 Euro im Monat. Er spart sich also 100 Euro jeden Monat, weil er weniger Heizen muss. Von diesem Vorteil gibt er dem Vermieter die Hälfte ab, denn der Vermieter hat schließlich die Modernisierung finanziert. Der Vermieter darf dann die Miete um 50 Euro auf 1050 Euro erhöhen.
                        Der Mieter zahlt also künftig 1050 Euro Miete plus 200 Euro Heizkosten, zusammen 1250 Euro, Ersparnis zu früher 50 Euro.

                        Motivation für den Vermieter: Er kann durch die Modernisierung die Wohnung aufwerten und 50 Euro mehr Miete jeden Monat erlösen.
                        Motivation für den Mieter: Er spart sich durch die Modernisierung jeden Monat 50 Euro.

                        Ich hoffe, so ist es klar geworden, wie sich Vermieter und Mieter den Vorteil einer Sanierung hälftig teilen.

                          • schachsommer12

                            Klingt gut? Aber wer ermittelt wann, was die durchschnittliche Heizkostensenkung für den Mieter nach einer energetischen Modernisierung ist? Da kommt mir das Sprichwort "Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast" in den Sinn. Wie hoch sind die Modernisierungskosten, die der Vermieter vorfinanziert? Irgendwie sehe ich da keinen so großen Unterschied zur jetzigen Situation. "BGB § 559 Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen (1) Hat der Vermieter Modernisierungsmaßnahmen im Sinne des § 555b Nummer 1, 3, 4, 5 oder 6 durchgeführt, so kann er die jährliche Miete um 8 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöhen." Von einer Reduzierung nach vollständiger Tilgung steht da nichts.

                              • Helmut

                                Die heutige Situation ist oft so, dass Vermieter die Miete nach energetischer Sanierung so stark anheben können, dass Mieter sich die Miete nicht mehr leisten können.
                                Mein Vorschlag orientiert die Mieterhöhung NICHT an den Investitionen des Vermieters, sondern nur am Erfolg der Maßnahme. So ist sichergestellt, dass der Mieter immer einen Vorteil aus energetischer Sanierung hat. Und der Vermieter wird keine unsinnigen Maßnahmen anstoßen, die sich nicht rechnen.

                                Wie ermittelt man die durchschnittliche Heizkostensenkung? Das ist in der Tat ein Problem, weil man es erst nach Abschluss der nächsten Heizperiode machen kann. Das WIE ist aber ziemlich einfach. Der Vermieter muss ja jährlich die Heizkosten gegenüber dem Mieter abrechnen. Man nimmt also die Heizperiode vor der Sanierung und vergleicht sie mit der ersten nach der Sanierung. Bessere Rechner als ich können das sicher auch unterjährig berechnen.

                                  • schachsommer12

                                    Das klappt vielleicht bei einer energetischen Sanierung. Aber gibt's das nicht schon mit § 559 (4) BGB? Wie sieht's aus bei Modernisierungsmaßnahmen, die bauliche Veränderungen sind, 4. durch die der Gebrauchswert der Mietsache nachhaltig erhöht wird, 5. durch die die allgemeinen Wohnverhältnisse auf Dauer verbessert werden, 6. die auf Grund von Umständen durchgeführt werden, die der Vermieter nicht zu vertreten hat, und die keine Erhaltungsmaßnahmen nach § 555a sind, oder 7. durch die neuer Wohnraum geschaffen wird gemäß § 555b BGB? Ich halte es gesamtgesellschaftlich für problematisch, wenn die Mieterhöhung nicht an den Investitionen des Vermieters orientiert sind. Alles dreht sich nach der aktuellen Gesetzeslage für die Mietverhältnisse um die ortsübliche Vergleichsmiete, also vergleichbare Objekte, aber nicht um das eigentliche Objekt und dessen Bewohner.

                                      • Helmut

                                        Anderes Thema. Den Vorschlag Antrags-Code: ID-2021-02-33 verstehe ich so, dass es um Energie geht. Was ein Gebäudeeigentümer sonst so modernisiert, ist seine Sache, da muss er sich halt mit dem Mieter einigen.

                                        Was genau ist denn gesamtgesellschaftlich problematisch, wenn sich die Mieterhöhung nicht an den Investitionen des Vermieters orientiert, sondern an der Energieeinsparung?

                                          • schachsommer12

                                            "Anteilige Aufteilung der zusätzlichen Kosten aufgrund der CO2-Bepreisung in vermieteten Wohnungen" muss sich vermutlich nicht nur auf eine energetische Sanierung beziehen. Gesamtgesellschaftlich problematisch sollte meiner Auffassung nach bedeuten, dass zu wenig betriebswirtschaftlicher Kontext zwischen Einnahmen und Ausgaben besteht, denn letztendlich muss der Mieter sowieso sämtliche Kosten tragen - egal, ob das über die Kaltmiete oder Neben- und Betriebskosten erfolgt. Der Unterschied liegt darin, dass die Kaltmiete keinen oder nur einen indirekten Bezug auf die jeweiligen Einzelaufwendungen ermöglicht. Eine Pauschalisierung erschwert oder verzerrt den Blick auf die Wohn-Kosten-Situation.

                                              • Helmut

                                                Das müssen Sie natürlich den Vorschlagsersteller fragen, was er alles inkludiert sehen möchte, ich lese hier nur die energetische Sanierung.

                                                Wenn Sie die Sache gesamtgesellschaftlich betrachten wollen, dann muss das Ziel doch sein, dass mehr energetisch saniert wird. Dazu gilt es, von Seiten des Gesetzgebers Motivationen anzubieten. Und genau das macht meine Ergänzung zu diesem Vorschlag, sie motiviert beide, Vermieter und Mieter dadurch, dass beide einen finanziellen Vorteil haben, der auch noch gerecht geteilt ist.
                                                In meinen Augen erschwert das nicht den Blick auf die Wohn-Kosten-Situation, wie Sie es ausdrücken, ganz im Gegenteil. Es macht die Wohn-Kosten-Situation sogar transparenter, weil der Wert der Wohnung, der durch eine Sanierung steigt, auch bei laufender Mietphase seinen Ausdruck in einer höheren Miete findet.

                                                Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
                                                Keine Antworten
          • schachsommer12

            Welches vorgeschlagene Modell schränkt die generelle Möglichkeit des Vermieters eher ein, Sanierungen komplett (über die Zeit) auf die Miete umzulegen? Die Bildung einer Instandhaltungsrücklage? Solange eine Mieterhöhung bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete möglich ist, wird der/die Mieter*in auch nach der Sanierung in Summe nie besser dastehen als vorher. "BGB § 559 Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen (1) Hat der Vermieter Modernisierungsmaßnahmen im Sinne des § 555b Nummer 1, 3, 4, 5 oder 6 durchgeführt, so kann er die jährliche Miete um 8 Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöhen." Das bedeutet eine Verteilung der aufgewendeten Kosten über einen Zeitraum von 12,5 Jahre, obwohl dieses Niveau der Miethöhe auch nach Ablauf dieses Zeitraums, also über die Gesamthöhe der bestehen aufgewendeten Kosten hinaus, bestehen bleiben kann. Das ganze aktuelle System fördert nur den Anreiz für immer höhere Kaufpreise, weil die Notwendigkeit zu ständigen Investitionen erhöht wird, um Immobilienwertsteigerungen zu garantieren, was wiederum die vom Objektwert provisionsabhängigen Makler und Notare begünstigt oder subventioniert. Was wäre, wenn es heißen würde "BGB § 559 Mieterhöhung nach Modernisierungsmaßnahmen (1) Hat der Vermieter Modernisierungsmaßnahmen im Sinne des § 555b Nummer 1, 3, 4, 5 oder 6 durchgeführt, so kann er die jährliche Miete um 8 (oder 5) Prozent der für die Wohnung aufgewendeten Kosten erhöhen, bis zur vollständigen Deckung dieser aufgewendeten Gesamtkosten."?

            Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
            Keine Antworten
  • Daniel

    Der Gedanke ist fair, aber dennoch muss man differenzieren. Beispielsweise bei Wohneigentumsgemeinschaften, welche die Wohnungen als Geldanlage/Altersversorgung nutzen und durch eine Verwaltung vermieten und betreuen lassen, sind nur am schnellen Geldverdienen interessiert und nicht an energetischer Sanierung. Da könnte man ansetzen. Diese Anleger haben die notwendigen finanziellen Mittel für diese Sanierungen. Aber jene, welche Wohnraum in alten aber gepflegten Gebäuden auf dem Land vermieten, vielleicht nicht. Die Sanierung sollte dann, abhängig vom Einkommen des Vermieters, staatlich subventioniert werden.

      • Helmut

        Sorry, aber dem kann ich nichts abgewinnen. Warum soll jemand, der Immobilieneigentum als Altersversorgung nutzt, nur am schnellen Geld und nicht an energetischer Sanierung interessiert sein. Das sind falsche Feindbilder, die hier benutzt werden, grundsätzlich ist jeder, der in Immobilien investiert, am Geldverdienen interessiert, sonst würde er ja gar keine Miete verlangen.

        Unser Interesse ist die energetische Wohnungssanierung und da sollte es von Seite des Gesetzgebers absolut keine Rolle spielen, wer der Wohnungseigentümer ist.

          • Daniel

            Zugegeben, ich habe das sehr verallgemeinert, reflektiert jedoch meine Erfahrungen.
            a) wohne ich aktuell, in direkter Nachbarschaft meines Vermieters, in einem Altbau auf dem Land.
            Eine "zielgerichtete" energetische Sanierung des Gebäudes ist finanziell für ihn unmöglich. Das weiß ich!
            b) habe ich davor in beschriebener, verwalteter Wohneigentumsgemeinschaft, zur miete gelebt. Die Verwaltung wurde in 8 Jahren vier mal gewechselt, Instandhaltungsarbeiten waren teilweise "Pfusch"!
            In den 15 Jahren beruflich als Gebäudetechniker habe ich auch so manches erlebt, vor allem in eine energetische Sanierung und Modernisierung von über 70 Wohneinheiten in München Bogenhausen (wo Geld keine Rolle spielte), wurde so wenig wie möglich investiert. Da leider auch... viel Pfusch!

            Um fachgerechte Sanierung zu kontrollieren sollte darum möglichst ein staatliches Organ prüfen. Quasi allumfassend, über den üblichen Bereichen des Kaminkehrer/Schornsteinfeger hinaus. Ein energetischer Gebäude TÜV vielleicht.?

              • Christina (Moderatorin)

                Hallo Daniel, Danke für Deine Kommentare. Wärest Du als Mieter bereit, in eine energetische Sanierung eines Mietobjektes zu investieren, wenn Du damit gleichermaßen ein Anrecht auf eine bestimmte Mietsoberhöhe und Länge des Mietvertrages hättest? Sodass es sich auch für eine*n Mieter*in lohnen kann, zu investieren? Viele Grüße, Christina

                Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
                Keine Antworten
  • Matthias Klinger

    Der Vorschlag ist o.k. Die Amortisation sollte bei 30 Jahren liegen. Bis dahin gibt es sicher neue Ideen, wie man besser sanieren kann. Außerdem kann ein Mieter die Kosten über den Eigentümer (falls er will) oder einen Kredit finanzieren. Bei 36.000,-- Euro Sanierungskosten sind das ca. 100 Euro im Monat Rückzahlung plus die Zinsen.
    Bei den Effizienzklassen G und H muß ein Datum vorgegeben werden, bis zu dem saniert werden MUSS. Das gilt auch für selbst bewohnten Raum, weil die Allgemeinheit die Schäden durch Gasheizungen (bei der Herstellung / Transport / Verbrennung von Gas) bezahlt. Das Eigentum an einer Dreckschleuder verpflichtet auch ...

    Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
    Keine Antworten
  • ElisEck

    Lieber vorhandene Regelungen besser ausgestalten, als neue schaffen. CO2-Preise hängen am Verbrauch der Mieter und sollten daher auch von diesem getragen werden. Der Einfluss des Vermieters liegt bei der Bereitstellung einer gut gedämmten Gebäudehülle und einer effizienten zentralen Heizungsanlage. Je besser beides ist, desto höher darf die Kaltmiete sein (dies regelt an sich der Markt, dafür benötigt es zunächste keine gesetzgeberischen Eingriffe). Dies gilt vor und nach einer Sanierung. Wenn nach einer Sanierung die Sanierung der Summe aus Kaltmiete und Nebenkosten (also die Warmmiete) nicht gesunken ist, kann folgendes schiefgelaufen sein und sollte gesetzliche verhindert werden:
    1. der Vermieter hat bei der Amortisationen einen zu kurzen Zeitraum zugrunde gelegt. Bei Sanierungskosten von 100.000€ für 1000m² Wohnfläche sind 100€/m² zu erwirtschaften. Die Frage ist nur über welche Dauer. 10 Jahre erscheinen realistisch, somit ergäbe sie eine Kaltmietenerhöhung von unter 1€/m²/Monat. Ggf. muss der Gesetzgeber hier minimale Amortisationszeiträume vorschreiben, dies wird auf Widerstände bei den ganz kurzfristigen Investoren stoßen, aber das ist nicht die Mehrzahl der Vermieter.
    2. Die Heizkosteneinsparung ist zu gering, dies kann an
    a) niedrigem Verbrauch liegen oder
    b) an niedrigen Energiekosten.
    zu a) Eine alleinstehende ältere Dame, die nur ihr Wohnzimmer heizt und den Rest der Wohnung kalt lässt, wird von einer solchen Sanierung nie etwas haben, da sie ohnehin nur geringe Energiekosten hat. Sie ist nicht das Problem der Energiewende, wird im Gegenteil dadurch sogar benachtteiligt, jedoch sind solche Menschen heutzutage in der Minderheit. Das Gesamtgesellschaftliche Problem sind die Menschen, die sehr viel Fläche sehr warm halten, daher muss ein Gesetztesvorschlag diese adresseren.
    zu b) Wenn sich eine energetische Sanierung nicht lohnt, weil die Energiekosten €/kWh zu niedrig sind, muss der Staat eingreifen z.B. durch Erhöhung des CO2-Preises.

    Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
    Keine Antworten
  • Frank_H

    Grundsätzlich haben wir aufgrund strukturell und inhaltlich mangelhafter Energieausweise in Deutschland ein Bewertungsproblem.
    Das kommt daher, dass wir einen Mix aus bedarfsorientierten und verbrauchsorientierten Energieausweisen haben, die vielfach qualitative Mängel haben und vom gesetzlichen Vollzug her nur minimal kontrolliert und schon gar nicht sanktioniert werden.
    Wir brauchen konsequent bedarfsgerechte Energieausweise, die Gebäude neutral und unabhängig vom individuellen Nutzerverhalten bewerten. Damit erreichen wir die richtige Einstufung der Gebäude.
    Parallel dazu benötigen wir eine transparente Verbrauchsdokumentation (Verbrauchsausweis?), welche einen das zu erreichende tatsächliche Einsparpotenzial ermitteln lässt.

    Die nachweislich erreichten Energieeinsparungen könnten wir dann - zumindest wenn die Zielstandards (A+, A, B) erreicht werden - voll auf die MieterInnen umlegen. Damit sollte niemand ein Problem haben, denn MieterInnen bekommen obendrauf den besseren Wohnkomfort dazu und VermieterInnnen profitieren von der Wertsteigerung des Gebäudes.

    Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
    Keine Antworten
  • Markus (Moderator)

    Generell finde ich diese Idee gut, denn es muss unbedingt eine "Motivation" für die energetische Sanierung geben.
    Ich frage mich nur: Welchen Vorteil hat es, die Effizienzklassen zu nutzen anstatt direkt den berechneten und im Energieausweis dargestellten Verbrauch. Wäre das nicht viel direkter und sogar gerechter - der Übergang z.B. von B nach C könnte sich im Nachkommabereich bewegen, würde dann allerdings zu einem Sprung in der Kostenverteilung führen.

    Keine Bewertungen  |  Ich stimme zu 0 Ich stimme nicht zu 0
    Keine Antworten
Dieser Vorschlag enthält keine Benachrichtigungen.
Keine definierten Meilensteine vorhanden